Gänsegeier in der Schweiz 1

Die Gänsegeier haben nach heutigen Kenntnissen noch nie in der Schweiz genistet. Aber jährlich sieht man Gänsegeier vor allem in den Waadtländer- und Freiburgeralpen. Sobald in dieser Gegend tausende von Schafen die Alpen bevölkern tauchen auch schon die ersten Gänsegeier auf. Anscheinend finden diese Aasfresser mit verunfallten Wildtieren und Schafen soviel Nahrung, dass sich der Sommerurlaub in der Schweiz für die vermutlich in Frankreich heimischen Gänsegeier lohnt.

Als Fan dieser hervorragenden Segler, die ich schon mehrfach in der Provence fotografiert habe, möchte ich natürlich auch in der Schweiz ein paar gute Aufnahmen machen. Auf der Webseite von www.ornitho.ch wurden bereits Mitte Juni die ersten Sichtungen in Boltigen (BE) und am Euschelspass (FR) gemeldet. Informationen über den Nächtigungsort habe ich keine gefunden. Selbstverständlich will ich die Tiere nicht stören, aber ich stelle mir vor, beim Start und bei der Rückkehr könnte ich gute Aufnahmen machen.

Vor ein paar Tagen habe ich während einer SAC-Seniorentour auf die Bürgle meine Nikon inklusive dem 500er Tele mitgeschleppt. Obwohl mir meine Kolleginnen und Kollegen bei der Suche geholfen haben konnten wir während des ganzen Tages keine Geier entdeckten.

Einen Tag später entschloss ich mich das gute Wetter auszunutzen und eine Rekognoszierung für die nächste Seniorentour zu machen. Die Tour ab Schwarzsee zum Schopfenspitz und Abstieg via Patraflon zurück zum Ausgangsort ist für Senioren mit 1200 Höhenmetern und ca. 7 Std Wanderzeit eine happige Sache. Die Erfahrung vom Vortag und die Aussicht auf eine strenge und lange Tour veranlassten mich die schwere Fotoausrüstung zu Hause zu lassen und nur die kleine Sony RX 100 IV mitzunehmen.

Jeder Vogelfotograf weiss was in einem solche Fall normalerweise kommt – und es kam!
Kaum nach einem schweisstreibenden Aufstieg auf dem Gipfel der Schopfenspitze angekommen, kreisten zwei Gänsegeier keine 50 Meter entfernt um meinen Kopf. Bis ich die kleine Kamera aus der Tasche genommen und eingeschaltet hatte waren die zwei Vögel in der Thermik weggestiegen und auf dem Weiterflug Richtung Westen.
In regelmässigen Abständen besuchten mich weitere Gänsegeier, entweder alleine oder zu zweit oder zu dritt und auf Distanzen von 50 – 100 Metern. Mit einer Kamera mit einem 24 – 70 mm Objektiv waren auf diese Distanz keine guten Bilder möglich.

Nur das Beobachten der gefiederten Flugkünstler war ein Erlebnis. Als ehemaliger Segelflieger konnte ich nur staunen.

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